Samstag, 26. November 2011

Camera RAW vs. Lightroom


Ich werde immer wieder gefragt, ob Lightroom und Camera RAW für die Bildentwicklung wirklich die gleichen Resultate liefern. Die Antwort ist ja aber...
Grundsätzlich greift Lightroom auf die RAW-Engine von Camera RAW zurück. Sofern das ACR-Modul von Lightroom und Bridge/Photoshop identisch sind, liefern beide Programme absolut identische Ergebnisse. Dies bedingt einfach, dass jeweilige Updates und Pasches immer sofort ausgeführt werden, damit die beiden PlugIns auch ja immer synchron sind.

Doch dies ist nicht der primäre Inhalt dieses Blogs. Über diesen Punkt habe ich bereits in früheren Videos in unserem Blog gesprochen. Mir geht es heute darum Ihnen aufzuzeigen, dass Lightroom funktionell das ein oder andere kleine Feature zu bieten hat, welches Camera RAW im Bereich der Entwicklung nicht hat.

Entwicklung von Photoshop-Dateien
Im Gegensatz zu Camera RAW kann Lightroom Photoshop-Dateien importieren und bearbeiten, sofern diese mit maximaler Kompatibilität gesichert wurden.

Dateien mit Ebenen bearbeiten
Camera RAW kann nur dann TIFF-Dateien öffnen und bearbeiten, wenn diese keine Ebenen besitzen. Lightroom hingegen importiert problemlos TIFF-Dateien mit Ebenen. Sie müssen sich einfach im Klaren sein, dass diese Ebenen geflattet werden, sobald die Lightroom-Anpassungen ins TIFF-Bild gerechnet werden sollen (beim Export inkl. Lightroom-Anpassungen oder beim Öffnen in PSD inkl. Lightroom-Anpassungen). Dies ist nicht weiter schlimm, da jeweils eine Kopie des Bildes angelegt wird.


Bessere Entwicklungsvorgaben
Dies ist ein wichtiger Punkt. Wenn Sie in Lightroom eine neue Entwicklungsvorgabe speichern wollen, so bietet Ihnen das Programm 32 Parameter zum Speichern an (unter anderen die von mir so geliebten Verlaufsfilter). Bei Camera RAW sind es nur deren 28 Optionen (unter anderem ohne die Verlaufsfilter).

Oberer Screenshot: Vorgaben in ACR erstellen
Unterer Screenshot: Vorgaben in Lightroom erstellen




Vorschau der Entwicklungsvorgaben
Das hat nichts direkt mit dem ACR-PlugIn zu tun. Dennoch finde ich es wichtig zu erwähnen: Lightroom ist dazu in der Lage, das Ergebnis einer Entwicklungsvorgabe im Navigator anzuzeigen, bevor diese auf das Bild angewendet wurde. Dadurch können Sie sich hunderte von Klicks sparen, weil Sie immer sofort sehen, was beim nächsten Klick passieren würde. Ich liebe diese Funktion.

Vorher/Nachher-Ansicht
Was wäre Lightrooms Entwicklungs-Modul ohne die hervorragende Vorher/Nachher-Ansicht (Y-Taste)? Damit verlieren Sie nie den Überblick und Sie wissen immer, welche Fortschritte im Vergleich zum Original Sie bereits erzielt haben.

Auf der anderen Seite ist der Vorschau-Knopf in Camera RAW mehr als nur nervig! Wenn Sie sich NICHT in den Modulen Vorgaben und Schnappschüsse befinden, zeigt die Vorschau immer nur die Anpassungen an, die Sie im jeweiligen Modul vorgenommen haben. Wollen Sie in den Genuss einer globalen Vorschau über alle Anpassungen kommen, müssen Sie in eines der besagten zwei Module wechseln. Das nervt gewaltig und trübt den Entwicklungsspass in ACR ungemein.

Deaktivierbare Einstellungen
Mit Ausnahme der Grundeinstellungen können Sie in Lightroom eine oder mehrere Anpassungen per Knopfdruck deaktivieren. Auf diese Art und Weise können Sie jederzeit kontrollieren, wie sich eine bestimmte Korrektur auf das Bild auswirkt.

Virtuelle Kopien anlegen
Auch hierbei handelt es sich um eine Funktion, die Camera RAW gar nicht beherrschen kann, weil ACR keine Datenbank ist. Trotzdem führe ich diesen Punkt auf. Da Lightroom jederzeit einen Virtuelle Kopie eines Bildes anlegen kann, sind Sie dazu in der Lage, verschiedene Entwicklungsversionen zu erstellen und diese später miteinander zu vergleichen. Bei ACR müssten Sie dies mit Schnappschüssen tun, was wesentlich mühsamer wäre.

Protokoll
Bei Lightroom können Sie jederzeit auf ein Protokoll zurückgreifen und zu einem früheren Zustand zurückkehren. Bei ACR müssten Sie auch hier mit Schnappschüssen arbeiten.

Interaktives Histogramm
Diese Funktion ist sicher kein Killer-Argument für Lightroom. Trotzdem kann es interessant sein. Bei Lightroom können Sie das Histogramm nicht nur anschauen, sie können es bewegen und beeinflussen somit die Tonwerte des Bildes. Sie haben somit auf engstem Raum Kontrolle über die Regler Schwarz, Aufhelllicht, Belichtung und Wiederherstellung.

Vorgefertigte Pinselvorgaben
Lightroom besitzt bereits einige pfannenfertige Pinselvorgaben. Diese sind zwar nicht der Oberhammer, bieten aber trotzdem ab und zu einen guten Startpunkt. ACR hat zu Beginn keine Pinselvorgaben. Sie können jedoch im Nachhinein problemlos eigene hinzufügen (zeige ich Ihnen nächste Woche).

Der Punkt Bildausschnitt festlegen geht an Camera RAW
Wenn es darum geht, benutzerdefinierte Bildausschnitte festzulegen, würde ich diesen Punkt Camera RAW verleihen. In ACR können Sie nämlich wählen zwischen Seitenverhältnis, Pixel, cm und Inches.

Fazit
Die Tatsache, dass Lightroom auf eine Datenbank zurückgreifen kann, beschert dem Anwender auch beim Entwickeln einige Vorteile, auf die ACR-User verzichten müssen. Grundsätzlich sind die erzielten Resultate in beiden Programmen identisch. Doch der Weg ans Ziel kann bei Camera RAW ab und zu etwas steiniger sein.

Herzliche Grüsse
Ihr/Euer Michel Mayerle

1 Kommentare:

  1. Ein kleines Plus für Camera Raw gäbe ich dem Umstand, dass Camera Raw irgendwie schneller rechnet. Auf meinem Rechner ist es jedenfalls angenehmer, einen Regler in CR zu bewegen als in LR. In CR sehe ich die Veränderungen wirklich in Echtzeit, in LR hinken sie - je nach Komplexität - manchmal etwas hintennach.

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