Potz, da kommt massiv Gegenwind aus dem Publikum: «Wir sind keine Generalisten, die alles können, aber nichts recht!» Genau das meine ich auch nicht.
Fachidiot oder Spezialist
Unsere Branche braucht Spezialisten. Leute, deren Berufung es ist, über Delta E zu brüten. Freaks, die 24 Stunden am Stück JavaScripts debuggen. Designer, die sich von technologischen Möglichkeiten nicht einschränken lassen.
Wer jedoch ausschliesslich Delta E, JavaScripts oder Design «spricht», ist ein Fachidiot, kein Spezialist! Fachidioten schauen nicht nach links und nicht nach rechts. Sie beschäftigen sich nicht mit der Welt um sie herum. Das sind Robinsons, reif für die Insel.
Spezialisten hingegen sind in einem Gebiet sehr stark, kennen aber auch die Entwicklungen angrenzender Sparten. Runter gebrochen auf Digital Publishing: Nicht die ganze Belegschaft muss sämtliche Medienkanäle bedienen können. Aber die Firma als Team muss einen Rundum-Service bieten.
Herzlich
Haeme Ulrich
Im Auftrag von Oliver poste ich hier einen Kommentar, der mich sehr bewegt:
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Hallo Haeme,
ich bin wahrlich kein "Leserbriefschreiber" - aber ich kann mir einen kurzen Kommentar zu Deinem Artikel nicht verkneifen.
Nein, eigentlich eher ein Kommentar zu den Kritikern die Dich angesprochen haben mit dem Satz: "Wir sind keine Generalisten"
Ich bin 43 Jahre alt und seit rund 23 Jahren im Geschäft.
Als klassischer Schriftsetzer mit Compugrafik begonnen hab ich dann die Anfänge am Mac mit Pagemaker etc. miterlebt.
Damals waren WIR die jungen Kerle die unseren alten und erfahrenen Kollegen davonliefen.
Die Sätze sind mir noch im Ohr geblieben. NUN SOLLEN MAL DIE JÜNGEREN RAN...
oder einfach die pauschal negative Grundhaltung zu neuen Techniken. Klar, erst Bleisatz, dann Fotosatz, dann DTP. Die Motivation war irgendwann gleich Null.
Sofern es Kollegen in großen Unternehmen waren blieb diese Haltung auch weitgehendst ohne Folgen. Die wurden einfach bis zur Rente durchgefüttert.
Nun bin ich seit 15 Jahren selbständig im Bereich Grafik und Satz für große Unternehmen. Ausserdem geb ich Schulungen im Bereich Indesign und Typografie.
an der FH, an Berufsschulen und bei großen Verlagen.
Vor einiger Zeit kam die Erkenntnis daß nun ICH einer der "alten Kollegen" war, denen alles suspekt ist das sich am Monitor bewegt oder Töne macht :-)
Ein Satz in einer Deiner Veröffentlichungen hat mich in meiner Angst (gottseidank) weiter bestärkt. Sinngemäss hast Du geschrieben dass wir am Ball bleiben MÜSSEN um nicht unterzugehen und dass wir die neuen Medien als Ergänzung und nicht als Gefahr betrachten sollen.
Kurz und gut.
Das ganze ist ca. 3 Monate her.
Ich hab mir alles reingezogen an Videos (e-college), an Forenbeiträgen (danke an Yves), an Berichten.
Hab ich EINE Frage beantwortet kamen 10 neue Fragen dazu.
Ich hab Tag und Nacht probiert, getestet, Fehler gemacht und nochmals versucht mit Erfolg.
Ich hab mich informiert über den Apple-Store, über Adobe DPS, über den Vetrieb. Über HTML5, über was-weiss-der-teufel alles.
Und wissen Sie was... ein wenig Eigenlob gönn ich mir.
Ich habe die ersten beiden Aufträge mit anspruchsvollen iPad-Veröffentlichungen für einen großen Verlag erledigt und die nächsten Jobs stehen bereits an.
Es macht mir saumässig Spaß und ich würde am liebsten jeden Tag nur noch iPad-Magazine machen.
Ich biete diese neue und spannende Dienstleistung als ERGÄNZUNG für meine bestehenden und neuen Kunden an.
Und diese Kombination ist sehr gefragt.
Der "alte" erfahrene traditionelle Typograf mit Wissen um Drucktechniken, Leistungen rund ums Layout und Druckvorstufe.
Kombiniert mit der Umsetzung dieser Medien in ein neues DIGITALES Format.
Ich bin dankbar um die Kollegen die motzen...
die werden mir keine Konkurrenz machen :-)
Mach Sie weiter so und bis bald
Oliver
Hier im Auftrag von Gerhard Märtterer eine Antwort an Oliver – vielen Dank Herr Märtterer!
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Lieber Oliver,
ich bin derselbe Jahrgang wie Steve Jobs. 1974 absolvierte ich ein Praxissemester bei unserer schwäbischen Kreiszeitung. Da wurde noch im Hochdruck produziert. Ich durfte morgens die Bleibarren der Linotype aufheizen, Klischees ätzen und die Überschriften am Setzkasten zusammenstupfen. Ich war ein begeisterter Jünger Gutenbergs. In den 1980ern, nach dem Studium an der Fachhochschule für Druck, arbeitete ich bei den TC-Studios. Über meine Diplomarbeit war ich begeisterter Anhänger der Audiovisuellen Medien geworden.
So bewege ich mich seit mehr als 30 Jahren in beiden Welten: Print und Non-Print (welch` despektierliche Bezeichnung!). Beide waren früher analog. Wir fluchten über vergilbtes Barythpapier, gerissene Filme, Newton-Ringe und Tonbandsalat.
Heute werden alle Medien digital produziert und publiziert. Endlich wächst in einem Ausgabemedium zusammen, was auch im wirklichen Leben zusammengehört - das geschriebene / gelesene Wort mit dem gesprochenen / gehörten Wort, die Töne der Natur, Technik und Musik mit den ruhenden und den bewegten Bildern. Wovon wir früher nicht einmal zu träumen wagten, ist Wirklichkeit geworden!
Doch wer bringt nun die besten Voraussetzungen für diese neue Mediengattung der E-Zines mit? Sind es die Internet-Fachleute, die alles in Templates packen? Sind es die Filmemacher, die von langen Kamarafahrten träumen? Sind es Gutenbergs Jünger, die in langen Berufsjahren ergründet haben, wie ein Magazin konzipiert und komponiert wird?
Jeder kann und darf sich von seiner Warte aus dieser neuen Mediengattung nähern. Reüssieren wird aber nur derjenige, dessen Blickwinkel 360 Grad umfasst und der bereit ist, tagtäglich neu dazu zu lernen. So wie Sie, Oliver!
Chapeau et Bonne Chance!
Gerhard Märtterer
gerhard@maertterer.net
Alles gut. Sich aus der Komfortzone herausbwegen, ist meist damit verbunden (wieder) in Bewegung zu kommen... besser erst gar nicht in die Starre des wiederkehrenden verfallen und zum Ausgleich öfters mal eine Acht gehen.
AntwortenLöschenJörg Oyen
oyen.de 360°Publishing Blick.
Auf Sicht arbeiten - Erfahrung teilen.
http://oyen.de/me