
Kürzlich hat mir eine Seminarteilnehmerin gesagt, dass Apps normalen Websites Platz machen würden. Dass der Hype um digitale Magazine, Zeitungen, Bücher in Form von Apps verflachen und verschwinden werde. Das stimmt, ist aber auch falsch. Macht als Aussage nicht Sinn. Für Apps gibt es drei Sichtweisen: Konsument, Programmierer, Hardware-Hersteller.
Sicht Programmierer
Ich bin sicher, dass nativ aufs Betriebssystem programmierte Apps verschwinden. Und zwar in dem Tempo, wie mobiles Internet und tragbare Hardware (Smartphones, Tablets, E-Reader...) besser werden. Programmierte Apps, wie wir sie heute vom iPhone, Android kennen, sind aufwändig in der Entwicklung. Zudem müssen sie an die jeweilige Hardware angepasst werden – zu teuer. Dann braucht es eine Plattform (App Stores) für den Vertrieb. Alle mit eigenen Spielregeln, sagen wir Knebelverträgen.
Sicht Hardware-Hersteller
Für Hardware-Hersteller, insbesondere Apple, sind nativ programmierte Apps eine Goldgrube. Ich meine nicht nur die 30% des Verkaufspreises, die Apple und Google bei verkauften Apps zurückhalten. Vielmehr macht eine nativ programmiere App abhängig von der Hardware: Wenn es das mobile Keynote als Browser App gäbe, warum sollte ich dann ein iPad und nicht ein Android-Tablet kaufen? Einen Browser habe ich auf jeder Plattform! Spüren Sie, was ich meine?
Nur so kann ich es mir erklären, dass Apple mit iCloud einen Synchronisations-Dienst angekündigt hat und nicht die Möglichkeit pusht, im Browser arbeiten zu können.
Sicht Konsumenten
Konsumenten ist es egal, ob die App lokal oder im Browser läuft, wie und ob sie programmiert ist. So lange die Sache einfach in der Bedienung ist und zuverlässig läuft.
Für Konsumenten ist die App eine Art grafische Oberfläche, über die mobiles Internet effizient konsumiert wird. Das, was im stationären Internet der Webbrowser ist. Und somit ist die für Mobilgeräte optimierte Website auch eine App, wenn ich Max Muster auf der Strasse frage.
Die Zukunft
Dass Apps nicht nativ aufs Betriebssystem programmiert sein müssen, beweisen verschiedene Strömungen. In Googles Chrome Browser lassen sich Apps installieren. Google geht noch weiter und hat den Browser zum Betriebssystem gemacht.
Financial Times gibt es als Browser App, als Ersatz für die nativ programmiere App. Und dann gibt es das Gerücht, dass Facebook einen eigenen App Store für Web-Apps starten wird.
Vorteile, auf die ich mich freue: Apps laufen losgelöst vom Betriebssystem. Ich brauche die App nicht auf allen meinen Geräten zu installieren. Die Rechenleistung geschieht in der Cloud. Entwickelt wird günstiger dank Webtechnologie (HTML5, CSS3, JavaScript). Nachteil: Ich bin noch abhängiger von einer funktionierenden Internet-Verbindung.
Herzlich
Haeme Ulrich
ja, korrekt!
AntwortenLöschenfür den Konsumenten ist es fast egal, er kann eh nicht unterscheiden, woher der content auf seinem bildschirm nun kommt, und es ist ihm eigentlich egal.
_eigentlich_: um alles in die cloud zu stecken sind wir technisch noch nicht so weit. wenn jeder immer und überall freies Internet hat, gerne. leider ist die technik aber noch nicht stark genug, so viel traffic zu handeln. schon gar nicht unterwegs.
Was heißt denn Knebelverträge? Da gibt es wohl mehrere Sichtweisen. Mich beispielsweise stört es nicht, 30% mehr dafür auszugeben, wenn ich dafür einen funktionierenden und übersichtlichen Store geboten bekomme und Updates laden kann, wenn immer ich will. Ich glaube, man kann auch froh darüber sein. Seit des für den Mac den App-Store gibt, suche ich lieber erst einmal dort nach Apps, statt im Internet – allein wegen der Übersichtlichkeit und der Updates für alle Programme mit einem Klick.
AntwortenLöschenKürzlich habe ich mir das aktuelle BMW-Magazin für das iPad geladen. Wenn es jemandem gelingt, eine derart perfekte App in irgendeiner Weise ins Internet zu bekommen, dann möge das Web als Konkurrenz gelten. Bis dahin bin ich aber davon überzeugt, dass eine gute App meist ein besseres Benutzererlebnis bietet, als eine Website. Schon dass aus bei Webanwendungen dauernd Daten aus dem Netz nachgeladen werden müssen, ist eine Einschränkung gegenüber einer App, die das, wenn überhaupt nötig, im Hintergrund erledigen kann.
Ich denke jedenfalls nicht, dass das Internet und Cloude-Computing in Zukunft einen viel größeren Stellenwert einnehmen können. Vielleicht als Hintergrundanwendung, beispielsweise zum Synchronisieren von Daten usw, aber nicht als Frontend für den User.
Hallo Rico
AntwortenLöschenBesten Dank für deinen Kommentar. Mir geht es nicht nur um die 30 Prozent und Apple macht ja im Moment auch massiv Eingeständnisse gegenüber Verlagen. Ich kann dir aber mehrere seriöse Projekte aufzählen, die es als digitales Magazin nicht in den App Store geschafft haben. Nicht wegen der Technik, da kam die von Adobe zum Einsatz und ist ja somit eh approved. Aber inhaltlich fand Apple, dass zum Beispiel «das Thema nicht von allgemeinem Interessen ist». Wie steht die Agentur oder wer auch immer gegenüber dem Kunden da, wenn ein fünfstelliger Betrag in die Erstellung der App investiert wurde und dann von Apple abgelehnt wird? Wer übernimmt den Schaden? Das muss man vorher klären, sonst geht da ganz schön viel Geschirr kaputt. Und vorher abklären geht nicht, weil der Review-Prozess an den scharfen Daten gemacht wird. Einzig der Trick hilft häufig, dass Kiosk-Apps gemacht werden und in den ersten Inhalt nicht viel Zeit investiert wird.
Wie du denke ich auch nicht, dass Websites, wie wir sie kennen, die Apps ersetzen werden, im Gegenteil. Ich meine in meinem Post nur technologisch werden die Apps mittelfristig nicht mehr nativ programmiert sondern als Webapps laufen. Ich jedenfalls liebe meine Apps in Chrome, das macht einfach mehr aus, als normale Websites und ist in der Entwicklung viel Einfacher als Objective-C
Ligrü & vielen Dank für den Kommentar!
Haeme
Hi
AntwortenLöschenAus meiner Sicht eine falsche Analyse.
1. Unique Selling Proposal:
Hersteller versuchen, Alleinstellungsmerkmale aufzubauen, um am Markt durch ihre Produkte zu überzeugen. Apple beweist, dass USP wichtiger ist denn je. Würde alles im Browser laufen, werden die Produkte austauschbar. Das will weder der Konsument (zahlt ja schliesslich dafür) noch der Hersteller.
2. Wettbewerbsintensität:
Werden alle Applikationen nur via Browser abgebildet, wird der Standard auf HTML XY festgelegt. Innovative Lösungen sind so viel schwieriger umzusetzen. Auch hier zeigt Apple, dass sie einen sehr konsequenten Weg gehen. Dass iTunes bis heute als native Applikation läuft, hat damit zu tun, dass die Bedienung via Hardcoded-Applikation ganz einfach flüssiger und schneller möglich ist. Fazit: mit der Einführung von Browser-basierten Diensten gibt es eine Gleichstellung von Funktionen und Möglichkeiten. Das möchte kein Hersteller. Hat auch mit USP (siehe oben) zu tun.
3. Netzauslastungen
Schon heute zeugt sich, dass die Datenmenge wieder relevant wird. Die Swisscom, wie auch andere Anbieter können ihre Netze kaum schnell genug ausbauen. Überlastete Netze sind alles andere als stabil und für eine reine Web-Applikation Gift.
Übrigens: Die CH hat eines der besten Netze weltweit, das sollte man nicht vergessen.
4. Sicherheit
Studien geben Apple recht: Die Kontrolle der Apps via Store macht Sinn. Die Sicherheit ist bei iOS bedeutend höher als beim offenen Android-OS. Und Sicherheit wird in Zukunft ein höheres Gewicht bekommen, da die User und auch die Firmen es nicht mehr akzeptieren, wegen fehlender Sicherheit zahlen zu müssen.