
In diesem Blog möchte ich Ihnen wieder einmal ein paar sehr technische Hintergrundinformationen zu Lightroom liefern, die Ihnen aber mit Sicherheit extrem helfen werden.
Wenn Sie in Lightroom die Voreinstellungen öffnen (Cmd+U) finden Sie unter dem Punkt "Dateiverwaltung" die "Camera RAW Cache-Einstellungen". Dieser Cache macht nicht das, was man auf den ersten Blick vielleicht vermuten könnte. Viele Anwender denken zuerst, dass dieser Cache ein Pufferspeicher für die Vorschauen ist, die Lightroom immer wieder anlegen muss. Dem ist aber ganz und gar nicht so! Das Verhalten der Vorschauen steuern Sie in den "Katalogeinstellungen" unter "Dateihandhabung". Der Camera RAW Cache übernimmt eine extrem wichtige Aufgabe, die ich Ihnen kurz erklären möchte.
Sobald Sie ein Bild im Entwickeln-Modul öffnen, verwirft Lightroom die bereits gerenderte Vorschau und fängt noch einmal bei null an und rendert eine neue Vorschau. Sobald Sie ein anderes Bild bearbeiten und später am vorherigen Bild noch einmal Änderungen vornehmen, wird die Vorschau sofort wieder verworden, nur um erneut eine Vorschau zu rendern. Dies muss Lightroom natürlich tun, damit die Vorschau absolut exakt ist und nicht etwa auf einer alten Version beruht. Dies ist natürlich je nach Bildgrösse eine Menge Arbeit und zwingt den Anwender zu Wartezeiten.
Sie denken jetzt sicher, dass es bestimmt Operationen gibt, die für ein bestimmtes Bild wiederholend sind und daher in einem Cache hinterlegt werden können. Dies ist tatsächlich so: Decoding, Dekomprimierung, Linearisierung und Demosaicing sind Arbeitsschritte, die unabhängig vom Aussehen des Bildes so oder so vorgenommen werden müssen. Diese Arbeitsschritte interpretieren das RAW-Bild und übersetzen die Metadaten in eine visuell angebrachte Form.
Da diese Prozesse bei einem bestimmten Bild immer wieder zum selben Ergebnis führen, ist es absolut legitim, dass diese Arbeitsschritte im Camera RAW Cache zwischengespeichert werden können. Wenn Sie ein Bild zum ersten Mal entwickeln, rendert Lightroom von Grund auf eine Vorschau. Beim nächsten Entwickeln halbiert sich die Rechenzeit ungefähr auf die Hälfte, weil die wiederkehrenden Arbeitsschritte bereits im Cache vorliegen.
In den Voreinstellungen legen Sie jetzt fest, wie gross dieser Cache sein soll. Seit Lightroom 2.7 und Lightroom 3 darf dieser Cache erstmals 50 GB überschreiten. Das Maximum wird erst bei 200 GB erreicht. Die Grundeinstellungen liegen lediglich bei 1 GB. Wenn Sie den Cache (bei genügend Festplattenspeicher) nur schon auf 10 oder 20 GB erhöhen, kann Lightroom wesentlich mehr Bilder cachen, was ein flüssigeres Arbeiten im Entwickeln-Modul zur Folge hat.
Speicherort des Camera RAW Caches
Wenn Sie sich die Voreinstellungen genau anschauen, so werden Sie merken, dass der Speicherort für den Camera RAW Cache manuell bestimmt werden kann. Dies ist extrem interessant. Wenn Sie die Möglichkeit haben, sollten Camera RAW Cache und Lightroom-Katalog auf separaten Festplatten liegen. Es sollte sich dabei aber um eine zweite interne Festplatte oder eine externe Festplatte (zum Beispiel RAID Level 0) mit eSATA-Port handeln.
Sie fragen sich jetzt sicher, wieso es Sinn macht, Katalog und Camera RAW Cache physikalisch zu trennen? Die Antwort ist einfach: Jeder Mausklick im Entwickeln-Modul wird als Metadaten in die Datenbank (und je nach Voreinstellung anschliessend in das Bild) geschrieben. Dies bedeutet eine Menge Arbeit für den Schreib/Lesekopf Ihrer Festplatte. So schreibt Lightroom ab und zu immer noch Metadaten in die Datenbank, obwohl Sie bereits ein anderes Bild bearbeiten möchten. Der gleiche Schreib/Lesekopf muss sich allerdings auch um die Caches kümmern, die bereits für das nächste Bild geladen werden müssen, was zeitgleich natürlich unmöglich ist. Wenn sich der Cache jedoch auf einer eigenen Platte befindet, kann dieses Problem elegant umgangen werden.
Falls Sie nur spärlich Bilder in Lightroom entwickeln, brauchen Sie sich um zusätzliche Hardware keine Gedanken zu machen. Ich würde den Cache aber dennoch etwas erhöhen, falls Ihre Festplatte noch genug freien Speicher zur Verfügung hat.
Lightroom und Camera RAW teilen sich übrigens den Camera RAW Cache. Wenn Sie die Voreinstellungen in Lightroom ändern, werden Sie die Anpassung auch in den Camera RAW-Voreinstellungen vorfinden (und umgekehrt). Das ist ganz schön clever und praktisch!
Sie wollen mehr über Lightroom erfahren? Dann besuchen Sie doch einfach meine Vorträge an der diesjährigen
swiss publishing week
Herzliche Grüsse
Ihr/Euer Michel Mayerle