Seit gut drei Wochen habe ich mein iPad. Grund genug, Fazit über meinen persönlichen Gebrauch des Gerätes zu ziehen und etwas über den Tellerrand zu blicken.
Im ersten «Hype» wollte ich aus dem iPad einen Ersatz für mein MacBook Pro schaffen. Ich konfigurierte das Mailprogramm und iCal. Aus meinem rege genutzten POP3-Mailaccount machte ich einen IMAP. Die Folge, ich war nur noch am Synchronisieren. Alle meine Geräte glichen sich dauernd ab. Das kann es nicht sein! So entschloss ich mich, Michel zu folgen, der vor einiger Zeit sein Office in die Cloud verlegt hat. Ich habe mir Mail und Kalender bei Google eingerichtet, die paar wichtigen Office-Dokumente sind auch da gespeichert. Der Vorteil: Ich greife ständig auf die gleichen, aktuellen Daten zu, weil die bei Google liegen und nicht auf jedem meiner Endgerät eine Version drauf ist. Die Synchronisation ist vorbei, es gibt nur noch aktuelle Daten. In der Firma sehen wir uns gegenseitig in die Kalender und können unser Auftrags-Sheet gemeinsam pflegen. Auch Traktanden für Sitzungen trägt nun jeder selber ein. Wenn unsere Erfahrungen weiter so positiv sind, haben wir vor, im Herbst auf die Business-Lösung von Google umzusteigen.
Der böse Daten-Moloch
Von «gemeingefährlich» über «fahrlässig» bis «Verrat der eigenen Identität» hören wir alles, wenn wir über unser Office bei Google berichten. Google sei der «böse Datenmoloch», der die Welt zum Untergang führen wird!
Wir brauchen nicht zu diskutieren, Google weiss alles über uns! Jedoch frage ich mich, welcher Software-Gigant da besser ist! Ich denke, die zeigen alle gerne auf Google, um von den eigenen Machenschaften abzulenken. Apple weiss haargenau, wo mein iPhone sich zur Zeit befindet. Ich kann auf aktuellen Mobilgeräten meinen Standort sehen, auch wenn ich nur über Wlan mit dem Internet verbunden bin. Und wer über MobileMe synchronisiert, sitzt sowieso im Glashaus.
Jetzt muss man sich überlegen, wie schlimm es ist, transparent zu sein. Alle, die Facebook, Twitter oder andere Community-Dienste verwenden, fördern aktiv die Offenlegung der Privatsphäre. Wir bei ulrich-media schützen uns mit der Einstellung: «Was niemanden was angeht, gehört nicht auf ein System, das mit dem Internet verbunden ist». Alles andere ist Augenwischerei.
Browser und Apps
Zurück zur Nutzung des iPads. Ich habe festgestellt, dass ich auf meinem iPad vor allem den Browser brauche, um meine Mails zu erledigen und den Kalender zu führen. Dann habe ich natürlich eine Unmenge an digitalen Magazinen abonniert und verwende Apps für News, Wetter und andere Infos.
Das heisst, ich brauche nichts, was mir nur das iPad bieten kann! Klar, viele der Apps gibt es momentan nur für die Apple-Plattform. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Android (Googles Betriebssystem für Mobilgeräte) basierende Tablets die Masse erreichen und somit auch noch mehr Apps für diese Plattform entwickelt werden. Welche Vorteile habe ich trotz allem mit dem iPad? Sicher das Design; das iPad liegt gut in der Hand und macht einen robusten Eindruck. Abgesehen vom Gewicht ist es bequem in der Anwendung. Der Monitor ist brillant und die Bildschirmauflösung von 132 dpi ist hoch. Der Akku hält wirklich lange und in Apples iTunes Store gibt es unzählige Programme fürs iPad. Ich habe festgestellt, dass meine Bücher neben meinem Bett je länger je mehr verstauben, weil ich meine digitalen Ausgaben übers iPad konsumiere.
Ich bin aber erstaunt, wie ersetzbar das iPad bei mir durch ein anderes Tablet wäre. Denn der Vorteil ist die Art des Gerätes und nicht die Software darauf!
Erfolg: Neutral und kompatibel
Was passiert, wenn andere Anbieter den Markt mit günstigen Tablets überrollen? Google hat was im Köcher, von HP wird durch den Zukauf von Palm viel erwartet. Kann Apple seine proprietäre App-Strategie halten? Wird die Tablet-Landschaft «multikulturell», sind wir wieder in einer Welt der Inkompatibilitäten. Sicherlich wird eine Apple App nie auf einem Android-System laufen. Umgekehrt auch nicht. Die leidtragenden sind die Konsumenten und natürlich wir Medientreibenden, die Inhalte für verschiedenste Geräte aufbereiten müssen. Die einzige Chance, nicht wieder in die Zeit der peinlichen Plattformkriege zurück zu fallen ist, plattformneutrale Technologien zu fördern.
Herzlich
Haeme Ulrich
Hi,
AntwortenLöschenich habe das iPad zwar noch nicht verwendet, finde deinen Beitrag aber sehr gut. Gerade auch bezüglich Google und Co. Und auch einige mit einem so "open Minded" brauchen und gern auf Microsoft schießen, sind gar nicht so sauber wie sie gerne tun - doch ich schweife ab.
Ich kann mir gut vorstellen, dass ein iPad gut zum Zeitunglesen und Surfen funktioniert. In einigen Communities wir der Einsatz als Fotoalbum für Kunden/Präsentationen besprochen und das scheint bei einem Face 2 Face Gespräch auch gut zu funktionieren. Aber ich muss mich auch fragen, wie viele Geräte ich mit mir "rumschleppen" soll. Ich bin beruflich viel unterwegs - da überlegt man sich schon was man so mitnimmt. Und auf das Notebook kann man noch nicht verzichten. Und das Telefon (ob nun Iphone, SmartPhone oder was auch immer) auch nicht.
Ist das ganze vielleicht für viele nur ein Statussymbol?
Gruß
Wilko
Die Zukunft beginnt auch andersorts: 1und1 Beispielsweise bietet jetzt ebenfalls ein Online-Office an. Ist mir sehr recht - immerhin gilt hier das deutsche Datenschutzrecht. URO
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