Dienstag, 27. April 2010

Digital Publizieren mit InDesign

Heute haben mich die folgenden Fragen erreicht. Weil die Thematik "Publizieren für digitale Endgeräte" von allgemeinem Interessen ist, beantworte ich die Fragen gleich hier in unserem Blog. Dabei handelt es sich um meine persönliche Einschätzung, ich bin gespannt, wie die Welt in drei Jahren wirklich aussehen wird ;-)

Fragen:
Seit langem möchten wir ausschliesslich elektronisch publizieren, da der Update des Inhalts so viel einfacher wäre. Nun, mit dem Erscheinen des iPads scheint endlich das richtige Lesetool dazu vorhanden zu sein.
  • Wenn ich nur noch elektronisch publiziere, ist InDesign immer noch das Werkzeug dazu?
    Ganz klar ja. Der für CS5 verantwortliche InDesign-Produktmanager, Michael Ninness, positioniert InDesign nicht mehr als Printlayout-Programm. Vielmehr hat er den Anspruch, dass InDesign das beste Layout-Werkzeug für sämtliche Medien ist. Das zeigen auch die neuen Funktionen von InDesign CS5. Nebst Verbesserungen für den angestammten Prepress-Markt sind vor allem interaktive Funktionen dazu gekommen, die es ermöglichen, ein Layout für Print wie für digitale Endgeräte zu erstellen.

  • Ist das PDF Format das Richtige oder besser XML?
    Mögliche Formate für digitale Magazine sind heute: PDF, Flash (swf), ePub, HTML 5 und Mobi. Mobi verwendet Amazon für den eigenen E-Book-Reader "Kindle", das Format ist auf Amazon abgestimmt und wird sich dadurch vermutlich nicht zum Standard etablieren. PDF ist schon recht alt und mutet eher statisch an. Zudem werden in PDF einige der neuen interaktiven Funktionen von InDesign CS5 nicht unterstützt.
    Flash hat den Vorteil, von InDesign CS5 gut unterstützt zu sein, und mit der neuen Text-Engine (TLF) ist mit Flash eine top Typografie möglich, wie sie sonst nur im PDF vorkommt. Leider weigert sich Apple bis heute, auf den "i-Geräten" Flash zu unterstützen. Die Frage ist nun, wer den längeren Atem hat. Ob Apple die Kunden nicht sauer macht, weil viele Websites auf dem iPad wegen der fehlenden Flash-Unterstützung nicht vollständig angezeigt werden. Oder ob Adobe sich anpassen muss und nebst Flash mit InDesign künftig auch HTML 5 unterstützen wird (nebenbei: Dreamweaver CS5 unterstützt HTML 5). ePub ist XML, formatiert wird über CSS. Für reine Bücher mögen die Möglichkeiten ausreichen, für digitale Magazine und Zeitungen ist ePub unbrauchbar. Typografie wie Layoutmöglichkeiten lassen zu wünschen übrig. Apple setzt mit dem iPad und dem iBook-Store auf dieses Format. Soweit ich weiss, dürfte ePub per Definition Flash-Inhalte enthalten, die wiederum aber werden von Apple nicht unterstützt. InDesign kann seit CS3 ePub exportieren. Wir haben einen Kunden, der mit InDesign CS4 über ePub elektronische Bücher herstellt. HTML 5 ist die grosse Hoffnung einiger Hersteller. Tatsächlich soll HTML 5 in der fertigen Ausbaustufe mal ganz schön interaktiv werden. HTML 5 wird im Moment gegen Flash ausgespielt.

  • Wie kann ich mit InDesign aus einem umfangreichen Dokument, welches auf A5 Print-Format basiert, ein formatunabhängiges elektronisches Format machen und dabei immer noch eine gepflegte Typo beibehalten?
    Gepflegte Typo, wie wir sie aus der Printwelt kennen, unterstützt heute meiner Meinung nach nur PDF und Flash. Ein getaggtes PDF kann sich zwar der Monitorgrösse anpassen, unterstützt jedoch weniger interaktive Funktionen als Flash. Flash wird von InDesign CS5 optimal bedient. Zudem können mit Flash (Flash Builder) ganze RIA's (Rich Internet Applications) gebaut werden.

  • Ist der iPad ein guter Weg?
    Mein iPad ist erst bestellt ;-) Was ich bis jetzt weiss, ist das iPad genial. Mühe habe ich mit der Bindung an iTunes und die Stores von Apple. Warum unterstützt das iPad nicht einfach Flash und ich kann mir als Verlag einen eigenen Store entwickeln? Apple sagt, Flash sei zu wenig performant und instabil. Andere unterstellen Apple, dass durch die Blockade von Flash die User gezwungen werden, bei Apple über iTunes einzukaufen. Dies beschere Apple einen hohen Umsatz. Wie dem auch sei, wer im Moment fürs iPad publizieren will, kommt um HTML 5 nicht herum. Leider ist aber HTML 5 noch in den Kinderschuhen und auch die Werkzeuge dazu sind noch nicht ausgereift.
    Einen interessanten Weg, mit InDesign fürs iPad zu entwickeln gehen die Hersteller von Publishing-Systemen. So bin ich nächste Woche bei WoodWing und darf über ihr System lernen, fürs iPad ein digitales Magazin zu erstellen.

Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, an der swiss publishing week 2010 am Donnerstag über erste Erfahrungen und Trends im digitalen Publizieren mit InDesign zu berichten. Da wird auch Urs Felber von A&F praktische Beispiele von Publishing fürs iPad zeigen und Strategien für den Einstieg in diese neue Welt präsentieren.


Herzlich
Haeme Ulrich

3 Kommentare:

  1. Hoi Haeme

    Ich war letzte Woche da und bin zu meinem erstaunen sehr begeistert.
    Nach dem Motto keep it simple und stupid hat Woodwing eine Lösung, die sich sehen lässt.
    Mit ein paar Klicks in 4 verschiedenen Paletten kann man sehr einfach Bildergalerien und Videos in eine App einbauen.
    Da die Seiten wahlweise als JPGs rausgeschrieben werden können, kann man die InDesign Transparenz- und Schatten-Effekte voll ausreizen.

    Im Gegensatz zu sehr komplizierten, teuren automatischen Lösungen, die auf dem Markt sind, hat es Woodwing geschafft, eine einfach zu bedienende Lösung zu entwickeln.
    So wird InDesign weiter als Content-Zentrale gestärkt.
    Der ePub-Export ist ja auch schon länger integriert. Bin gespannt wie es im CS5 funktioniert.

    Herzliche Grüsse
    Räbs
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  2. Hallo Räbs

    Ich habe von der A&F auch schon von diesem Tool gehört. Soviel mir aber bekannt ist muss ich dazu das System Woodwing Enterprise im Einsatz haben, oder?

    Gruss aus Sursee
    Adi
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  3. Hoi Adi
    Das ist richtig.
    Du brauchst dazu Smart Woodwing Enterprise Server Version 7.
    Gruss Räbs
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